Absenkung der Staubgrenzwerte in neu gefasster TRGS 900

Neue Staubgrenzwerte in der TRGS 900Saubere Atemluft ist ein wichtiger Faktor für den Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz. Gerade beim Umgang mit Gefahrstoffen ist Vorsicht geboten wie das Beispiel Asbest zeigt: als idealer und kostengünstiger Werk- und Baustoff wurde die natürlich vorkommende Faser über Jahrhunderte bedenkenlos für die Wärmedämmung, in Autoreifen oder auch im Brandschutz eingesetzt bis man Mitte des 20. Jahrhunderts die Gesundheitsgefahren mit der krebsauslösenden Wirkung erkannte. Nach und nach wurde die Produktion und Verwendung in vielen Ländern verboten, ein weltweites Verbot gibt es bis heute allerdings nicht. In vielen Schwellenländern wie beispielsweise in China kommt der Stoff nach wie vor in großer Menge zum Einsatz. Auch ein EU-weites Verbot gibt es erst seit dem Jahr 2005.

Die immer weiter fortschreitende Entwicklung von Wissenschaft und Technik ermöglicht es, die Auswirkungen von Gefahrstoffen auf die Gesundheit des Menschen immer besser zu beurteilen. Folge dieser Beurteilungen sind Grenzwerte, bis zu denen ein möglichst gefahr- und folgenloser Umgang für den Menschen möglich ist. Im Laufe der Jahre konnten viele Grenzwerte immer weiter abgesenkt werden. Teilweise hat dies wie beim Beispiel Asbest auch zum völligen Verbot geführt.

Absenkung des Grenzwertes in der TRGS 900

Bei Staub wird hinsichtlich der Größe der Staubpartikel zwischen einatembaren Staub (E-Staubfraktion) und alveolengängigem Staub (A-Staubfraktion) unterschieden. Stäube der A-Fraktion sind als gefährlicher einzustufen, da sie ultrafein und so klein sind, dass sie beim Einatmen den Weg in die Lungenbläschen finden und sich dort ablagern können. Fortwährender Nachschub sorgt für eine andauernde Belastung der Lunge und steht im Verdacht in der Folge Entzündungsprozesse und Krebserkrankungen auszulösen.

Für A- und E-Fraktionen gibt es in der TRGS 900 gesonderte Grenzwerte. Die im November 2013 überarbeitete und im April 2014 veröffentlichte TRGS 900 bringt nun eine Absenkung des Arbeitsplatzgrenzwertes (AGW) für die A-Staubfraktion von bisher 3 mg/m³ auf nun 1,25 mg/m³ mit sich. Bereits in den vergangenen Jahren wurde der AGW immer weiter abgesenkt. Bis 2001 galt noch ein AGW von 6 mg/m³. Von der Neuregelung unberührt bleiben Stäube, für die ohnehin ein geringerer AGW als 1,25 mg/m³ festgelegt ist. Dies ist z.B. bei Schweißrauch bei manchen Schweißverfahren gemäß der TRGS 528 der Fall.

Was bedeutet der neue Grenzwert für die Praxis?

Staubbelastete Arbeitsplätze müssen erneut mittels einer aktuellen Gefährdungsbeurteilung bewertet werden. Ebenso ist ein Maßnahmenkonzept zur Einhaltung des neuen Grenzwertes vorzulegen. Im Rahmen der Übergangsfrist bleibt bis zum 31.12.2018 Zeit, Arbeitsstätten und Schutzmaßnahmen den neuen Regelungen anzupassen.

Einsatz von Atemschutzmasken nach neuem Staubgrenzwert gemäß TRGS 900

Einsatz von Atemschutzmasken nach neuem Staubgrenzwert gemäß TRGS 900

Durch den neuen Grenzwert kann es notwendig werden, Atemschutz einzusetzen, wo bislang noch keiner getragen werden musste. Auch ein Wechsel in eine höhere Schutzstufe kann sich ergeben. Das zeigt das folgende Beispiel: Während bei einer Staubbelastung (A-Staubfraktion) von 20 mg/m³ bisher eine Atemschutzmaske der Schutzstufe FFP2 (Schutz bis zum Zehnfachen des Grenzwertes; Bisher: 10 x 3 mg/m³ = 30 mg/m³; jetzt aber: 10 x 1,25 mg/m³ = nur noch 12,5 mg/m³) ausreichend war, wird jetzt eine Maske der Schutzstufe FFP3 benötigt (Schutz bis zum Dreißigfachen des Grenzwertes = 30 x 1,25 mg/m³ = 37,5 mg/m³).

Verschiebung der Einsatzbereiche durch Absenkung des Allgemeinen Staubgrenzwertes

Verschiebung der Einsatzbereiche durch Absenkung des Allgemeinen Staubgrenzwertes

Schutzmaßnahmen einleiten

Neben der Einleitung technischer Schutzmaßnahmen, wie dem Absaugen an der Emissionsquelle oder dem gleichmäßigen Lüften kommt der Auswahl und dem Einsatz des richtigen Atemschutzes besondere Priorität zu.

Mein Tipp: Führen Sie unbedingt Tragetests verschiedener Modelle durch und beziehen Sie die Mitarbeiter bei der Auswahl mit ein. Erfahrungsgemäß haben Atemschutzmasken mit Ventil eine höhere Trageakzeptanz als einfache Masken ohne Ventil. Je komfortabler die Maske, desto leichter fällt das Atmen und damit auch das Arbeiten. Ein entsprechendes Tragetestprotokoll finden Sie hier.

Weitere Informationen:

Übersicht zu den TRGS bei der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) »

Atemschutz der führenden Marken und unserer Eigenmarke Work finden Sie großer Auswahl in unserem Online-Shop. Zu den Produkten »

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