Praxistipps zur Umsetzung der neuen ASR A1.8 Verkehrswege

Verkehrswege im InnenbereichAnfang Dezember wurde die neue Arbeitsstättenregel (ASR) A1.8 veröffentlicht und ersetzte gleich drei bis dato gültige Arbeitsstättenrichtlinien. Die neue ASR konkretisiert die Anforderungen der Arbeitsstättenverordnung (AStV) in Bezug auf das Einrichten und Betreiben von Verkehrswegen.

Verkehrswege sind dabei Bereiche, die für den Fußgänger- oder Fahrzeugverkehr oder die Kombination aus beidem bestimmt sind. Dies betrifft sowohl Außenbereiche aber auch Bereich in Gebäuden wie z.B. Flure oder Gänge.

Nicht in den Anwendungsbereich der ASR A1.8 fallen Zu- und Abgänge in, an und auf Arbeitsmitteln, Fahrzeuge und dazugehörige Anhänger, die für den Transport von Personen oder Gütern bestimmt sind, sowie Steigeisen, Steigeisengänge und Steigleitern, die ausschließlich als Angriffswege für die Feuerwehr dienen.

Die Arbeitsstättenregel verweist, sofern entsprechende Gefährdungen vorliegen, auch auf weitere ASR:

  • ASR A1.3 Sicherheits- und Gesundheitsschutzkennzeichnung
  • ASR A2.1 Schutz vor Absturz und herabfallenden Gegenständen, Betreten von Gefahrenbereichen
  • ASR A2.3 Fluchtwege und Notausgänge, Flucht- und Rettungswegplan
  • ASR A3.4 Beleuchtung
  • ASR A3.4/3 Sicherheitsbeleuchtung, optische Sicherheitsleitsysteme

Was Sie beim Einrichten von Verkehrswegen beachten sollten

Oberstes Ziel ist der Ausschluss von Gefährdungen für Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten. Bereits bei der Planung und Einrichtung von Verkehrswegen ist dies zu berücksichtigen:

  • Führen Sie Ihre Verkehrswege übersichtlich und möglichst geradlinig.
  • Höhenunterschiede sollen vorrangig durch Schrägrampen ausgeglichen werden, für die je nach Nutzung eine maximale Neigung festgelegt ist.
  • Beim manuellen Transport von Lasten muss die Belastung der Beschäftigten möglichst gering gehalten werden. Hier sind auch die Länge des Weges und das Gewicht der Lasten zu berücksichtigen.
  • Stolperfallen im Bereich von Verkehrswegen z.B. durch Unebenheiten sind zu vermeiden. Oberflächen müssen eben und trittsicher sein. Der Belag soll so gewählt werden, dass er der maximalen Belastung standhält.
  • Gefährdungen durch Absturz oder herabfallende Gegenstände sind auszuschließen (siehe auch ASR A2.1).
  • Kreuzungen und Einmündungen müssen übersichtlich und für die Verkehrsteilnehmer einsehbar sein, ggf. sind verkehrssichernde Maßnahmen zu treffen.
    Praxistipp: Für das Entschärfen von unübersichtlichen Stellen gibt es zahlreiche Lösungen am Markt. Zum einen sind farbliche Markierungen am Boden sehr hilfreich. Diese können mit Markierungsfarben oder auch Markierungsbändern erfolgen. Gut sichtbar angebrachte Sicherheitszeichen können zusätzlich auf Gefahren aufmerksam machen. Spezielle Ausführungen lassen sich auch auf dem Boden als Bodenzeichen aufbringen. Auch mit Spiegeln, die einen Einblick in sonst uneinsehbare Winkel gewähren, kann die Sicherheit deutlich erhöht werden.
  • Verkehrswege in Außenbereichen müssen bei jeder Witterung sicher benutzbar sein. Mein Tipp: Bei der Gefährdungsbeurteilung sollten die Gegebenheiten zu allen Jahreszeiten berücksichtigt werden. Besonders Glätte durch Schnee und Eis im Winter aber auch Laub und Feuchtigkeit im Herbst können eine ansonsten sichere Straße in eine Rutschbahn verwandeln.
  • Die Mindestbreiten von Verkehrswegen müssen eingehalten werden. Diese richten sich nun nach den Mindestbreiten von Fluchtwegen analog der ASR A2.3.

Wege für den Fahrzeugverkehr – der Schutz der Beschäftigten zählt

Fußgänger-und Fahrzeugverkehr müssen grundsätzlich so geführt werden, dass  Beschäftigte nicht gefährdet werden. Das gilt für Fußgänger wie Fahrzeugführer gleichermaßen. Die Mindestbreite von Wegen für den Fahrzeugverkehr richtet sich nach verschiedenen Faktoren wie

  • der größten Breite des Transportmittels oder des Ladegutes
  • des Randzuschlags
  • des Begegnungszuschlages
  • der Geschwindigkeit des Fahrzeugverkehrs
  • der Zahl der Verkehrsbegegnungen
  • den Wenderadien der Fahrzeuge (wichtig v.a. bei Kurven und Kreuzungen)
  • Einsatz von Personenerkennungssystemen (z.B. bei fahrerlos betriebenen Transportmitteln)

Verkehrswege richtig kennzeichnen und abgrenzen

Nicht immer lassen sich Gefährdungen für die Beschäftigten durch technische Maßnahmen verhindern oder beseitigen. Unübersichtliche Betriebsverhältnisse können zusätzlich eine Gefahr darstellen. Gemäß ASR A1.8 sind Gefahrenstellen deutlich gemäß ASR A1.3 zu kennzeichnen. Dauerhafte Gefahren werden mit gelb-schwarzen Markierungen gekennzeichnet, zeitlich begrenzte Gefahren mit rot-weißen Markierungen bzw. entsprechenden Sicherheitszeichen (z.B. Warnzeichen).

Liegen Arbeits-, Lager-und Verkehrsflächen auf einer Ebene sollten die Wege für Fußgänger- und Fahrzeugverkehr deutlich sichtbar am Boden markiert werden. Denkbar sind verschiedene Systeme wie z.B. dauerhafte Farbmarkierungen oder auch Markierungsleuchten. Abhängig vom Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung sind zur Abgrenzung von Verkehrswegen oder auch zur Trennung von Fußgänger- und Fahrzeugverkehr Geländer oder Leitplanken zu setzen. Mein Tipp: Bei der Wahl der Bodenmarkierung sollten Sie an die Beschaffenheit des Untergrundes und die spätere Belastung z.B. bei Verkehr mit Gabelstaplern denken. Für die Trennung von Fußgänger- und Fahrzeugverkehr eignen sich sowohl Rammschutzbügel als auch modulare Rammschutzgeländer, die beliebig erweitert werden können.

Seiten: 1 2

Schlagworte: , , , , ,

3 Responses to "Praxistipps zur Umsetzung der neuen ASR A1.8 Verkehrswege"

  • Peter Hagen says:
Kommentar schreiben

*