Latexhandschuhe – elastische Preise?

Schutzhandschuhe aus Naturlatex (Kautschuk) erfreuen sich nach wie vor großer Beliebtheit. Neben der Verwendung von Latex bei der Produktion von Einmalhandschuhen werden auch mechanische Handschuhe mit einer Latexbeschichtung auf der Innenhand versehen. Gerade die angenehmen Trageeigenschaften machen Latexhandschuhe so beliebt. Sie sitzen wie eine zweite Haut, sind extrem elastisch und bieten auch in Bezug auf mechanische Einwirkungen einen guten Schutz.

Aber Achtung: Latex-Produkte werden immer teurer.

Die Preisentwicklung der vergangenen Jahre

Setzt man den Preis für den Rohstoff „Latex“ aus dem Jahr 2001 auf 100 %, so kostete Latex im Jahr 2009 das 2,5- bis 3-Fache. Im Jahr 2011 wurde bereits der 6-fache Wert erreicht! In den letzten Monaten wurden Preise für Schutzhandschuhe, bei deren Produktion Naturlatex benötigt wird, seitens der Importeure und Hersteller mehrfach – trotz zuvor ausgesprochener Preisgarantie für das laufende Jahr – angehoben.
Neben der Frage nach den Ursachen soll im Folgenden auch eine Prognose für die Zukunft aufgezeigt werden. Lassen Sie uns an dieser Stelle etwas mehr in die Tiefe gehen, als das, was Ihnen aus den üblichen Lieferantenschreiben bekannt ist.

 

Entwicklung der Rohstoffpreise für Latex: 2001 - 2011Quelle: Kroschke sign-international

Latex ist ein Naturprodukt

Latex wird aus dem Saft des Gummibaums gewonnen, die traditionell in den ostasiatischen Ländern angebaut werden. Der größte Naturkautschuk-Produzent ist Thailand, gefolgt von Malaysia und China. Die größten Handschuhhersteller von Latexhandschuhen sitzen traditionell in Malaysia (Einmalhandschuhe) und China (mechanische Handschuhe).

Als Naturprodukt unterliegt Kautschuk Schwankungen: Eine starke Monsun-Saison oder zu lange Dürreperioden vernichten bspw. ganze Ernten oder aber die Latexqualität fällt schlechter aus. Deutet sich eine solche „schlechte“ Saison an, reagieren die größten Abnehmer von Latex. Sie kaufen frühzeitiger und oft auch mehr als üblich. Die Nachfrage steigt, das Angebot ist knapp, der Preis steigt.

Eigentlich könnte die einfache Aussage getroffen werden: „Wenn mehr Kautschuk benötigt wird, müssen mehr Gummibäume angebaut werden!“ Unter Nichtberücksichtigung von Umweltaspekten (bspw. Rodung des Regenwaldes, Monokultur) benötigt ein Gummibaum fünf Jahre Wachstum, bevor er erstmalig geerntet werden kann. Das heißt, Entscheidungen von heute machen sich erst in fünf Jahren bemerkbar.

Gut 2/3 der Weltproduktion an Naturlatex benötigt die Autoreifenindustrie

Das Reaktionsverhalten der Hersteller von Autoreifen hat somit einen sehr großen Anteil am Latexpreis.

Wie ist derzeit die Stimmung und die Prognose an der Latex-Rohstoffbörse? Nachfolgend Originalstimmen von den ostasiatischen Rohstoff-Börsen aus dem Zeitraum Dezember 2010 bis Februar 2011:

„Der Latex-Markt führt seine Preisrallye, verursacht durch das positive Wachstum der chinesischen Autoindustrie, weiter fort und verursacht Versorgungsengpässe bei Naturlatex.”

2011 wird China das dritte Mal in Folge das Land mit den weltweit meisten Autoverkäufen sein. In 2011 werden 20 Millionen Autos verkauft werden, die Wachstumsrate liegt zwischen 10 – 15 %. China und Indien beherbergen 2/5 der Weltbevölkerung. Beide Länder haben und werden weiterhin enorme Entwicklungsschübe haben, der Wohlstand kehrt ein und das Auto wird zunehmend zum Statussymbol.

„Der Preis für Latex steigt auf ein neues Allzeithoch, nachdem Warnungen vor heftigen Regenfällen in Thailand laut wurden. Dies veranlasste Spekulanten anzunehmen, dass Chinas, Indiens und Japans Binnenmarktnachfrage an Latex steigen wird [Eindecken mit einem Sicherheitsbestand], um die Verfügbarkeit von Latex langfristig abzusichern.“

Allein anhand der zwei folgenden Meldungen wird offensichtlich, dass die Schere zwischen Angebot und Nachfrage größer wurde:

  1. „Das chinesische Statistikamt gibt bekannt, dass die Produktion von Autoreifen im Januar bis November 2010 um 21 % auf 709 Millionen Stück im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gestiegen sei.“
  2. „Die thailändischen Behörden erwarten für 2010 einen Rückgang der Kautschuk-Ernte um 1,4 %. Flutwarnungen wurden herausgegeben und der Monsun verursachte bereits jetzt schon blitzartige Überflutungen in 9 der 14 südlichen Provinzen Thailands, die zusammen 80 % des gesamten Kautschuks in dem Land anbauen.“

Aber wird eine Besserung oder Erholung in Sicht sein?

Im März brach der Latexpreis dann tatsächlich für wenige Tage um bis zu 30 % ein! Neben dem erwarteten Bereinigungseffekt, verursacht durch die geschäftsfreien Tage wegen des asiatischen Neujahrs, wurde – durch den Tsunami und die folgende japanische Atomkatastrophe – auch die bis dahin andauernde hohe Nachfrage der japanischen Reifenindustrie infrage gestellt. Als kurz darauf der Internationale Verband der Autoreifenindustrie entgegnete, dass die Reifenproduktionen der führenden japanischen Hersteller nicht betroffen seien, schoss der Rohstoffpreis wieder nach oben.

Autor: David Leander Adam, Kroschke sign-international GmbH

Weitere Informationen zum Thema „Entwicklung der Rohstoffpreise für Latex”:

Rohstoffpreis für Latex: neue Produkte für Handschutz

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