Neue DIN EN 388 bringt zusätzliche Testverfahren beim Schnittschutz

Die DIN EN 388 (Schutzhandschuhe gegen mechanische Risiken) wurde mit Wirkung zum Januar 2017 angepasst und neu veröffentlicht. Die Norm definiert die Leistungsfähigkeit eines Schutzhandschuhes für mechanische Belastungen. Ziel der Norm ist es, einen einheitlichen Maßstab darzustellen. Jeder Schutzhandschuh der PSA-Kategorie II und III wurde in einem anerkannten Prüfinstitut auf die mechanische Belastbarkeit getestet und zertifiziert. Generell gilt: Je höher der Levelwert, desto bessere mechanische Eigenschaften weist der Handschuh auf.

Bisher wurde in der Norm der Fokus auf die folgenden vier Aspekte der mechanischen Beanspruchung gelegt und einer Leistungsstufe zugeordnet:

a. Abrieb
b. Schnitt
c. Weiterreißen
d. Durchstich

SchnittschutzhandschuheInsbesondere betroffen durch die Novellierung der DIN EN 388 sind Schnittschutzhandschuhe, bei denen Materialien verwendet werden, welche die heute verwendete (kreisförmig rotierende) Klinge beim so genannten Coupe-Test abstumpfen lassen (z. B. bei Stahl- und Glasfasern). Bei diesen Schutzhandschuhen muss dann zusätzlich die Schnittschutzprüfung gemäß ISO 13997 durchgeführt und ausgewiesen werden.

Dementsprechend kommt zu den bisherigen Angaben eine zusätzliche fünfte Leistungsstufe und entsprechende Kennzeichnung gemäß der ISO 13397 hinzu. Optional kann auch eine sechste folgen, welche für Handschuhe gilt, die einen zertifizierten Stoßeinwirkungsschutz bieten.

Das heißt zukünftig kann es bis zu sechs Leistungsstufen unter dem Hammerpiktogramm geben:

a. Abrieb
b. Schnitt (nach herkömmlichem Verfahren)
c. Weiterreißen
d. Durchstich
e. ISO-Schnittfestigkeit
f. Stoßeinwirkung (optional)

Beispiel Kennzeichnung

Piktogramm DIN EN 388

Leistungsstufe

4

5

4

4

D

P

Prüfung a b c d e f

Die Reihenfolge der Leistungsstufen ist immer dieselbe, Reihenfolge siehe oben.

Beschreibung des Testverfahrens Schnitt (wie bisher):

Beim Coupe-Test fährt eine kreisförmige und zeitgleich rotierende Klinge auf einem Prüfmuster (Teil des Handschuhmaterials aus der Innenhandfläche) wiederholt vor und zurück. Zusätzlich wirkt auf die Klinge ein Gewicht mit einer Kraft von 5 Newton. Das Ergebnis wird in (abstrakten) Indices gemessen und in Leistungsstufen dargestellt (siehe Tabelle 1)

Tabelle 1

Schnittschutz Index
Leistungsstufe  1 1,2
Leistungsstufe  2 2,5
Leistungsstufe  3 5
Leistungsstufe  4 10
Leistungsstufe  5 20 +

Beschreibung des zusätzlichen Testverfahrens Schnitt gemäß ISO 13997 (NEU):

Im so genannten TDM-Test bewegt sich eine lange gerade Klinge einmalig über den Prüfling, dabei wirkt eine Kraft in Newton zum Durchschnitt auf das Prüfmuster. Es gibt sechs fest definierte Kraftwerte um die Leistungsstufe zu bestimmen (siehe Tabelle 2).

Tabelle 2

Schnittschutz Kraft
Leistungsstufe  A 2 N
Leistungsstufe  B 5 N
Leistungsstufe  C 10 N
Leistungsstufe  D 15 N
Leistungsstufe  E 22 N
Leistungsstufe  F 30 N

Beide Testverfahren sind absolut unterschiedlich, lassen sich somit nicht vergleichen und es besteht kein Zusammenhang zwischen den jeweiligen Leistungsstufen. Ein gutes Ergebnis in dem einen Testverfahren bedingt deshalb nicht zwangsläufig ein gutes Ergebnis in dem anderen Testverfahren.

Die wesentlichen Unterschiede der beiden Schnittschutz-Testverfahren zusammengefasst:

Schnittschutz ALT / bestehend (EN 388) NEU / Zusatz (ISO 13997)
Klingenform rund gerade
Schneideart rotierend und wiederholend gerade mit einmaligen Kontakt
Kraftausübung konstant (5 N) variabel ( zw. 2 und 30 N)
Klassifizierung 1 – 5 A – F

Optionaler Zusatztest: Als zusätzlicher Schutz (Sechste Leistungsstufe unter dem Piktogramm) kann ein Handschuh gemäß EN 13594 auf Schutz vor Stößen geprüft werden. Wird der Test durchgeführt und bestanden, erhält der Handschuh die zusätzliche Kennziffer P. Wird dieser Test nicht durchgeführt oder nicht bestanden, entfällt diese Kennziffer.

Fazit: Das zusätzliche Testverfahren bietet dem Anwender mehr Informationen in Sachen Schnittschutz. Auch die optionale Zusatzprüfung auf Schutz vor Stößen kann bei der Wahl eines geeigneten Handschuhs von Nutzen sein. An der Leistungsfähigkeit der Schutzhandschuhe ändert sich allerdings nichts.

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