Wirtschaftlicher Nutzen von Arbeitssicherheit und Prävention

Prävention. Was ist das?

Wirtschaftlicher Nutzen von Arbeitssicherheit und Prävention

Das Wort „Prävention“ wurde aus dem Lateinischen „praeveniere“ (zuvorkommen) abgeleitet und bedeutet  Vorbeugung. Durch Prävention wird versucht ein allgemeines Verständnis dafür zu entwickeln, dass Erkrankungen meist als Folge vorher vermeidbarer Faktoren und Ereignisse auftreten. Grundsätzlich wird zwischen drei Präventionsarten unterschieden:

  • Primäre Prävention: Das Ausschalten von Faktoren, die die Gesundheit gefährden könnten. Hier setzen auch der Arbeitsschutz und die Arbeitssicherheit an.
  • Sekundäre Prävention: Mögliche Erkrankungen sollen durch Vorsorge so früh wie möglich entdeckt werden, damit frühestmöglich mit einer Therapie begonnen werden kann und die Heilungschancen möglichst hoch sind (z.B. Vorsorgeuntersuchungen)
  • Tertiäre Prävention: Maßnahmen, die bereits erkrankte Personen betreffen, um eine Verschlimmerung bzw. Folgeerkrankungen zu verhindern.

Im Sektor der Arbeitssicherheit lassen sich die Maßnahmen nochmals  in objektive (allgemeine) und individuelle  Bereiche unterteilen. Zu den objektiven Präventionsbereichen zählen die Sicherheitstechnik, die Arbeitsmedizin, die Arbeitshygiene und die Arbeitsorganisation. Der Einsatz von persönlicher Schutzausrüstung und die Sicherheitsunterweisungen, welche mindestens einmal jährlich stattfinden sollten, fallen in den Bereich der individuellen Präventionsmaßnahmen.

Wieso sind Prävention und Arbeitssicherheit so wichtig?

Sicherlich fragen Sie sich, welchen wirtschaftlichen Nutzen Sie aus dem Sektor Prävention und Arbeitssicherheit ziehen können. Bereits nach kurzer Betrachtung erschließt sich der Nutzen und die Wirtschaftlichkeit von gesundheitsfördernden Maßnahmen. Jeder Unternehmer, egal ob groß oder klein, weiß, dass der wichtigste Motor seine Mitarbeiter sind. Durch Krankheit und Arbeitsunfälle, bzw. Berufskrankheiten entstehen nicht nur den Berufsgenossenschaften sondern auch den Unternehmen hohe Kosten. Fallen Mitarbeiter aus, müssen diese entweder durch teure Kräfte ersetzt werden oder die Kollegen müssen die Arbeit des ausgefallenen zusätzlich erledigen. In kleineren Betrieben kann es zu Produktionsausfällen und verzögerten Lieferterminen kommen. Das alles kostet Geld. Das Einsparen von Kosten ist aber bei weitem nicht der einzige Grund, wieso sich Präventions – und Arbeitssicherheitsmaßnahmen lohnen:

  • Betriebsabläufe und Geschäftsprozesse werden verbessert
  • Erhöhung der Mitarbeitermotivation
  • Stärkung der Identifikation, der Mitarbeiter mit ihrem Unternehmen
  • Imageaufwertung des Unternehmens
  • Erhalt und Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit
  • Steigerung der Leistungsfähigkeit, sowie der Produktivität

Betriebliche Gesundheitsförderung im Blickpunkt

Bisher wird betriebliche Gesundheitsförderung als Maßnahme der Prävention überwiegend in großen Unternehmen wahrgenommen. Die Hemmschwelle des evtl. fehlenden Wissens und der aufzubringenden Mittel überwinden mittelständische und kleinere Unternehmen bislang seltener.
Dass das Potenzial und der Wille  auch über die gesetzlichen Vorgaben hinaus vorhanden sind, zeigt sich, wenn man einmal die realen (von Inflationseinflüssen bereinigten) Präventionsausgaben  betrachtet. Diese sind seit den 1950er Jahren um das zwanzigfache gestiegen. Gleichzeitig konnte die Zahl der Arbeitsunfälle deutlich gesenkt werden:

  • meldepflichtige Arbeitsunfälle je 1.000 Vollarbeiter von 109 (1960) auf 24,8 (2012)
  • tödliche Arbeitsunfälle je 1.000 Vollarbeiter von 0,197 (1960) auf 0,017 (2012)

Beratend stehen den Betrieben in der Praxis  die zuständigen Berufsgenossenschaften zur Seite. Hier können Unternehmen Betriebsärzte, Fachkräfte für Sicherheit und Sicherheitsbeauftragte anfordern. Aber auch die gesetzlichen Krankenkassen fördern bestimmte Präventionsmaßnahmen. Um Ihnen den Einstieg und die ersten Schritte zu erleichtern, haben wir für Sie einige Themen, welche sich besonders eignen, zusammengestellt:

  • Arbeitsbedingte körperliche Belastung; Schwerpunkt: „Rückengesundheit, richtig sitzen.“
  • Ernährung/ Betriebsverpflegung
  • Psychosomatische Belastungen
  • Förderung individueller Kompetenzen zur Stressbewältigung am Arbeitsplatz
  • gesundheitsgerechte Mitarbeiterführung
  • Suchtmittelkonsum am Arbeitsplatz

Um eine grundsätzliche Verankerung von gesundheitsfördernden Maßnahmen im Betrieb zu erreichen, sollte sich zusätzlich noch mit folgenden  Themen auseinander gesetzt werden:

  • Gesundheitsmanagement
  • Kommunikationsstrategien: Wie kommuniziere ich Ziele und Maßnahmen der Gesundheitsförderung?
  • Demografie als Bestandteil der Arbeitsorganisation
  • Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Wichtig hierbei ist es, diese Maßnahmen individuell für seinen Betrieb zu betrachten und nach den jeweiligen Bedürfnissen des Unternehmens und seiner Mitarbeiter auszuwählen.

Kennzahl Return on Prevention zeigt positive Kosten-Nutzen-Relation

Dass sich Investitionen in Arbeitssicherheit und Prävention lohnen, belegte eine Studie, die in den Jahren 2006 – 2008 wurde erstmals für Deutschland durchgeführt wurde. Diese befasste sich mit der Präventionsbilanz aus theoretischer und empirischer Sicht.

Darauf folgte im Jahr 2010 eine Aufbaustudie, der Internationalen Vereinigung für Soziale Sicherheit (IVSS), der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) und der Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse (BG ETEM), welche im Februar 2013 veröffentlicht wurde. In dieser Studie wurden 337 Unternehmen in 19 verschiedenen Ländern dazu befragt, inwiefern  sich Arbeitssicherheitsmaßnahmen positiv auf die wirtschaftliche Bilanz  der Unternehmen auswirken.  Nach verschiedenen Auswertungen kamen 52% der befragten Unternehmen zu dem Schluss, dass Gesundheitsschutz  langfristig zu sinkenden Kosten führt. Als Kennzahl führten sie den „Return on Prevention“ (ROP) an. Dieser beschreibt das Verhältnis der Präventionskosten zum Präventionsnutzen. In beiden Studien war der ROP > 1,5, was bedeutet, dass jeder Euro, den Unternehmen in Präventionsarbeit investieren, sich mit einem ökonomischen Erfolgspotenzial von mehr als 1,50 € auszahlt.

Weitere Informationen finden Sie hier:

Wirtschaftliche Entwicklung und Unfallversicherung: Vom Zusammenhang von Konjunktur und Prävention auf der Seite der DGUV Lesen »

Informationen zur betrieblichen Gesundheitsförderung beim Bundesgesundheitsministerium Lesen »

DGUV Report 1/2013: Berechnung des internationalen „Return on Prevention“ für Unternehmen: Kosten und Nutzen von Investitionen in den betrieblichen Arbeits- und Gesundheitsschutz Lesen »

 

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