TRGS 400: GHS-Verordnung und Gefährdungsbeurteilung

Wieder gibt es etwas Neues zum Thema GHS-Verordnung* zu berichten:

Es gibt eine neue Technische Regel für Gefahrstoffe (TRGS). Es handelt sich um die TRGS 400 “Gefährdungsbeurteilung für Tätigkeiten mit Gefahrstoffen”. Sie konkretisiert die neue Gefahrstoffverordnung (GefStoffV).

Wichtige Info für Sie: Wenn Sie Technische Regeln anwenden, dann können Sie davon ausgehen, dass Sie die Anforderungen der Verordnung (in diesem Fall Gefahrstoffverordnung) erfüllt haben. Sollten Sie eine andere Lösung wählen, dann nur wenn diese die gleiche Sicherheit und den gleichen Gesundheitsschutz für Ihre Mitarbeiter erfüllt.

TRGS 400 regelt die Gefährdungsbeurteilung nach neuen und alten Einstufungen

Auch hier ist die Übergangsfrist (bis 1. Juni 2015) ein wichtiges Kriterium. Denn bis dahin muss im Sicherheitsdatenblatt sowohl die neue als auch die alte Einstufung angegeben werden. ”Dadurch wird sichergestellt, dass während der Übergangsfrist die Gefährdungsbeurteilung weiterhin auf der Basis des alten Rechts durchgeführt werden kann” (TRGS 400, Absatz 3.1). Sie können aber die Gefährdungsbeurteilung auch schon vorher nach der GHS-Verordnung durchführen.

Das sind ja mal wieder klare Angaben ;-) . Insbesondere dann wenn die neue Einstufung zu neuen Erkenntnissen über den Stoff geführt hat!

Mein Tipp: Prüfen Sie das Sicherheitsdatenblatt auf Änderungen. Gibt es keine relevanten Neuerungen, dann nutzen Sie Ihre bisherige Gefährdungsbeurteilung. Liegt jedoch eine veränderte Einstufung vor, dann sollten Sie auch Ihre Gefährdungsbeurteilung überprüfen. In beiden Fällen müssen Sie die Überprüfung dokumentieren!

Hier ein Überblick über die Inhalte der TRGS 400:

1. Anwendungsbereich:

  • TRGS 400 konkretisiert die Gefahrstoffverordnung.
  • Weitere wichtige TRGS müssen Sie bei der Gefährdungsbeurteilung berücksichtigen.

2. Begriffsbestimmungen gemäß des Begriffsglossars aus BetrSichV etc.

3. Grundsätze zur Durchführung der Gefährdungsbeurteilung:

  • Definieren Sie für die Durchführung der Gefährdungsbeurteilung die Organisation und Verantwortung in Ihrem Betrieb.
  • Bei Gefährdungsbeurteilung für gleichartige Arbeitsbedingungen reicht die Beurteilung eines Arbeitsplatzes oder einer Tätigkeit aus.

4. Informationsermittlung:

  • Analysieren Sie die Informationsquellen (insbesondere das Sicherheitsdatenblatt).
  • Berücksichtigen Sie die Definition des Begriffes “Gefahrstoff” (ab wann ist ein chemischer Arbeitsstoff ein Gefahrstoff).
  • Betrachten Sie die Tätigkeiten (Arbeitsvorgänge und Betriebszustände), bei denen es zur Gefährdung der Beschäftigten durch Gefahrstoffe kommen kann.
  • Stellen Sie die Informationen über Substitutionsmöglichkeiten zusammen, d. h. prüfen Sie, ob Gefahrstoffe mit geringerer gesundheitlicher Gefährdung (TRGS 600 “Substitutionen”) eingesetzt werden können.
  • Berücksichtigen Sie die Informationen über Schutzmaßnahmen und deren Wirksamkeit.
  • Gefahrstoffverzeichnis beinhaltet die im Betrieb eingesetzten Gefahrstoffe. Während der Übergangsfrist wird empfohlen, die Einstufung nach GHS-Verordnung zu ergänzen.

5. Gefährdungsbeurteilung bei vorgegebenen Maßnahmen:

  • Eine vereinfachte Gefährdungsbeurteilung können Sie bei standardisierten Arbeitsverfahren durchführen.
  • Stoff- und tätigkeitsbezogene TRGS oder VSK (verfahrens- und stoffspezifischen Kriterien) müssen angewendet werden.
  • Branchen- oder tätigkeitsbezogene Hilfestellung, ein Expositionsszenarios nach Reach oder eine mitgelieferte Gefährdungsbeurteilung müssen berücksichtigt werden.

6. Gefährdungsbeurteilung ohne vorgegebene Maßnahmen:

  • Vorgehen: Führen Sie die Gefährdungsbeurteilung (Analyse der dermalen, inhalativen, physikalisch-chemischen Gefährdungen) durch, um daraus geeignete Maßnahmen abzuleiten.
  • Anschließend legen Sie technische und organisatorische Schutzmaßnahmen sowie die Verwendung von persönlicher Schutzausrüstung fest.

7. Überprüfung der Wirksamkeit von Schutzmaßnahmen:

  • Definieren Sie Methoden und Fristen, um bestehende oder zu treffende Schutzmaßnahmen zu kontrollieren (TRGS 500 “Schutzmaßnahmen”).

8. Dokumentation:

  • Unabhängig von der Anzahl der Mitarbeiter müssen Sie die Gefährdungsbeurteilung dokumentiert.

Weitere Informationen rund um das Thema GHS-Verordnung finden Sie auf unserer Homepage:

  1. Stoff-Kennzeichnung nach GHS-Verordnung!
  2. Richtig kennzeichnen – nutzen Sie unser Wissen
  3. GHS-Verordnung: Rollen und Aufgaben der Akteure in der Lieferkette
  4. GHS-Verordnung: Mehraufwand für Ihren Arbeitsschutz?

*Anmerkung: Wir verwenden den Begriff GHS-Verordnung als Synonym zur richtigen Bezeichnung CLP-Verordnung. Der Grund ist ganz einfach: Nach unserer Erfahrung wird im aktuellen Sprachgebrauch nach wie vor der Begriff „GHS-Verordnung“ benutzt.

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