TRGS 201: Gefahrstoffe vereinfacht einstufen und kennzeichnen

Wenn Sie in Ihrem Unternehmen mit Gefahrstoffen arbeiten, besteht laut der neuen TRGS 201 „Einstufung und Kennzeichnung bei Tätigkeiten mit Gefahrstoffen“ die Möglichkeit, dass Sie diese Gefahrstoffe vereinfacht kennzeichnen dürfen. Voraussetzung ist,

  • dass Sie diese Gefahrstoffe ausschließlich für innerbetriebliche Zwecke verwenden.
  • dass alle Stoffe und Gemische einschließlich gefährlichen Abfalls identifizierbar sind.
  • dass Sie die gefährlichen Stoffe und Gemische mit einer Kennzeichnung versehen, die ausreichende Informationen über Einstufung, Gefahren und Schutzmaßnahmen enthält.

Die TRGS 201 wird unter anderem nicht angewendet für:

  • Gefahrstoffe, die an Dritte weitergegeben werden. Dann erfolgt der Einstufungsprozess gemäß REACH, CLP-Verordnung. Konkretisiert wird dieses in der neuen TRGS 200 „Einstufung und Kennzeichnung von Stoffen, Zubereitungen und Erzeugnissen”!
  • die Einstufung und Kennzeichnung von biologischen Arbeitsstoffen.

Welche Tätigkeiten mit Gefahrstoffen gehören zum Anwendungsbereich der TRGS 201?

Im Rahmen des Umwandlungsprozesses zur neuen Gefahrstoff-Einstufung und -Kennzeichnung (CLP-Verordnung) arbeiten Unternehmen oftmals mit Stoffen oder Gemischen, die noch nicht oder nur teilweise eingestuft sind. Solche Gefahrstoffe müssen Unternehmen selbst einstufen und kennzeichnen. Werden diese Gefahrstoffe (inklusive gefährlicher Abfälle) nur für innerbetriebliche Tätigkeiten eingesetzt, finden Sie in der neuen TRGS 201 vereinfachte Vorgehensweisen, die Sie unter bestimmten Voraussetzungen anwenden können!

Die Gefahrstoffverordnung definiert den Begriff ‚Tätigkeiten‘ (§2, Abs. 4) folgendermaßen:

„Es handelt sich um jede Arbeit mit Stoffen, Zubereitungen oder Erzeugnissen, einschließlich Herstellung, Mischung, Ge- und Verbrauch, Lagerung, Aufbewahrung, Be- und Verarbeitung, Ab- und Umfüllung, Entfernung, Entsorgung und Vernichtung. Zu den Tätigkeiten zählen auch das innerbetriebliche Befördern sowie Bedien- und Überwachungsarbeiten.“

Die Informationsquellen für Ihre Einstufung

Müssen Sie einen Gefahrstoff bzw. ein Gemisch für Ihre Zwecke einstufen, dann finden Sie in der TRGS 201 Hinweise, die Ihnen die Informationsermittlung erleichtern:

  1. REACH-Verordnung, Titel IV
  2. Angaben im Sicherheitsdatenblatt Ihres Lieferanten
  3. Einstufungs- und Kennzeichnungsverzeichnis „C&L-Inventory“, das von der ECHA erstellt und gepflegt wird.
  4. Gefährdungsbeurteilung gemäß TRGS 400 (Nr. 4.2, Abs. 9): Liegen große Informationsdefizite zu dem Gefahrstoff vor und können diese nicht anhand der Gefährdungsbeurteilung ermittelt werden, dann gilt die sogenannte Vermutungswirkung. Das bedeutet, dass die Gefahrenkategorien höher eingestuft werden.
  5. TRGS 201, Anlage 1: Hinweise zur Einstufung, wenn Informationsdefizite zu dem Gefahrstoff vorliegen.

Wann können Sie Stoffe und Gemische „vereinfacht“ kennzeichnen?

Voraussetzung für eine vereinfachte Kennzeichnung ist die Gefährdungsbeurteilung gemäß TRGS 400 und der Grundsatz, dass Gefahrstoffe identifizierbar sein müssen – entweder durch die Kennzeichnung des Gebindes oder durch Ihre betriebliche Dokumentation. Darüber hinaus müssen die Mitarbeiter im Umgang mit solchen Gefahrstoffen geschult sein.

Laut TRGS 201 können Sie Ihre Stoffe und Gemische vereinfacht kennzeichnen, wenn es sich um Tätigkeiten handelt,

  • bei denen sich der Gefahrstoff in ortsbeweglichen Behältern befindet, wie Standgefäße (in Apotheken, Laboratorien), Transportbehältern oder zum Versand (hier gelten dann die Vorschriften zur Beförderung von gefährlichen Gütern) oder im Arbeitsgang.
  • bei denen die Gefahrstoffe in ortsfesten Einrichtungen sind, wie in Lagerbehältern, in loser Schüttung oder unverpackt, in Rohrleitungen, im Produktionsgang.

Darüber hinaus setzt jede vereinfachte Kennzeichnung eine entsprechende betriebliche Dokumentation (z. B. als Betriebsanweisung) mit einer Unterweisung der Beschäftigten voraus. Explizit weist die TRGS 201 darauf bei Tätigkeiten mit Gefahrstoffen im Arbeitsgang und im Produktionsgang hin.

Was Sie beim Etikettieren Ihrer Gefahrstoffe grundsätzlich berücksichtigen sollten:

  • Einfaches umetikettieren von alter zu neuer Kennzeichnung ist nicht möglich, wenn Ihnen Informationen von Lieferanten fehlen oder neue Kenntnisse über Gefahren vorliegen.
  • Eine neue Kennzeichnung ist erforderlich, wenn das Originaletikett nicht mehr lesbar ist oder aufgrund neuer, sicherheitsrelevanter Informationen über das Gebinde aktualisiert werden muss.
  • Die Kennzeichnung auf einer leeren Verpackung ist so lange aufrecht zu erhalten, bis diese gereinigt wurde.
  • Ungültig gewordene Aufkleber müssen entfernt oder unkenntlich gemacht werden.

Wie unterscheiden sich die Inhalte bei der vollständigen und vereinfachten Kennzeichnung?

Dieses sind die obligatorischen Inhalte, die auf Etiketten bei einer vereinfachten Kennzeichnung stehen müssen:

  • Mindestens der Stoff- oder die Gemischbezeichnung und die Gefahrensymbole müssen angegeben werden.
  • Bei Gemischen: Erforderlichenfalls muss die Identität bestimmter Inhaltsstoffe, die Gefahren auslösen, aufgeführt werden.
  • Sind die Gefahrensymbole zu unspezifisch, dann sollten gekürzte Gefahrenhinweise oder andere Informationen ergänzt werden.
  • Reduzierung der Gefahrensymbole: Auch hier gibt es eine Rangfolgeregelung der Gefahrensymbole, die sich jedoch von der CLP-Verordnung unterscheidet.
  • Ausnahme Kleinstgebinde (Ampullen etc.): Hier reicht aus Platzgründen die Angabe des Stoffnamens oder einer betriebsinternen Probenbezeichnung.

Anhand dieser Übersicht können Sie sehen, welche Informationen auf dem Etikett für welchen Einsatzzweck dargestellt werden müssen.

Kennzeichnungselemente nach CLP-Verordnung beim Inverkehrbringen

bei Tätigkeiten

vollständig vereinfacht
Name, Anschrift und Telefonnumer des Herstellers, Importeurs oder Lieferanten ja nein nein
Nennmenge des Stoffes/Gemisches jaa) nein nein
Produktidentifikatoren bei Stoffen
- Stoffname
- Identifikationsnummer
ja
ja
jab)
nein
jab)
nein
Produktidentifikatoren bei Gemischen
- Handelsname oder -bezeichnung
- Identität bestimmter Inhaltsstoffe
ja
ja
jab)
empfohlen
jab)
empfohlen
Gefahrenpiktogramm(e)c) ja ja jad)
Signalwort ja ja nein
Gefahrenhinweise ja ja neine)
Sicherheitshinweise ja ja nein
Ergänzende Informationen, z. B. zusätzliche Hinweise wie EUH-Sätze ja ja nein
a) bei Abgabe an Endverbraucher
b) auch betriebsinterne Bezeichnung möglich
c) ggf. gemäß Rangfolgeregelung bei mehreren Pikotgrammen
d) ggf. Vereinfachung, d.h. Darstellung von mehreren Hauptgefahren gemäß TRGS 201 Nr. 4.3 Abs.5,6
e) TRGS 201 Nr. 4.3 Abs.6 ist zu beachten 

Quelle: TRGS 201, Nr. 4.3, Abs. 8

Tätigkeiten mit gefährlichen Abfällen und mit Gefahrstoffen für Forschung und Entwicklung

In der TRGS 201 finden Sie auch Regelungen für innerbetriebliche Tätigkeiten mit gefährlichen Abfällen und mit Gefahrstoffen zur wissenschaftlichen, produkt- oder verfahrensorientierten Forschung sowie Entwicklung:

  • Gefährliche Abfälle (Nr. 4.6): Auch hier muss zunächst eine Gefährdungsbeurteilung gemäß TRGS 400 durchgeführt werden, bevor Sie über eine vereinfachte Kennzeichnung auf den Gefäßen, Behältern oder in Mulden entscheiden können.
  • Forschung und Entwicklung (Nr. 4.7): Voraussetzung für eine vereinfachte Kennzeichnung ist wieder die Gefährdungsbeurteilung. Darüber hinaus empfiehlt die TRGS 201, unter anderem ein Managementsystem einzuführen, um zu gewährleisten, dass diese Gefahrstoffe identifizierbar sind.

Was Sie bei Ihrer Bestellung von Gefahrstoff- und Rohrleitungsetiketten beachten sollten:

In der TRGS 201 (Nr. 4.3, Abs. 11) gibt es einige Vorgaben, die Sie für den Kauf von Etiketten berücksichtigen sollten:

  • Die Etiketten sollen dauerhaft halten und deutlich sichtbar angebracht werden. Wählen Sie dafür permanent haftendes Material aus.
  • Die Etiketten dürfen nicht überschrieben werden. Sie können ungültig gewordene Aufkleber entfernen, unkenntlich machen oder überkleben. Tipp: Bevorraten Sie sich mit den neuen Etiketten auf Rolle!
  • Die Etiketten sollten gegen Wasser und Lösemittel beständig sein. Wir bieten Aufkleber zur Kennzeichnung von Gefahrstoffen (CLP-Verordnung) und speziell für Rohrleitungen aus selbstklebender Folie an, die wasser-, öl- und laugenbeständig sind.
  • Die Größe der Aufkleber richtet sich nach den Erkennungsweiten gemäß ASR A1.3.
  • Besonderheit Rohrleitungen: Durchflussstoffe können Sie zusätzlich farblich kennzeichnen. Die farbliche Zuordnung von Durchflussstoffen ist in der TRGS 201 in dieser Tabelle festgelegt. Unsere Rohrleitungsbänder und Rohrleitungsetiketten sind bereits mit diesen farblichen Differenzierungen bestellbar.

Weitere Informationen zu diesem Thema:

Schlagworte: , , , , , , ,

Kommentar schreiben

*